Das Nagelkreuz von Coventry

 

Das Nagelkreuz von Coventry als Symbol für Frieden, Versöhnung und Völkerverständigung bei der Lichtinstallation zum 375. Jahrestag des Westfälischen Friedens auf dem Prinzipalmarkt zu Münster.

Wissenswertes

Die Geschichte des Nagelkreuzgedankens begann mit der „Operation Mondscheinsonate“ der deutschen Luftwaffe, dem schweren Luftangriff auf Coventry vom 14.November 1940, bei dem 550 Menschen starben und bei dem mit großen Teilen der Innenstadt sowie Industrieanlagen auch die spätmittelalterliche St. Michaels-Kathedrale zerstört wurden.

Der damalige Dompropst Richard Howard ließ bei den Aufräumarbeiten drei große Zimmermannsnägel aus dem Dachstuhl der zerstörten Kathedrale, die aus den Trümmern geborgen wurden, zu einem Kreuz zusammensetzen. Er ließ außerdem die Worte „FATHER FORGIVE“ (Vater vergib) in die Chorwand der Ruine meißeln und aus zwei verkohlten Holzbalken ein großes Kreuz zusammensetzen.

In der Ruine der alten Kathedrale ist ein Duplikat des Holzkreuzes zu sehen, das originale Nagelkreuz steht heute in einer künstlerisch gestalteten Weise auf dem Altar der 1962 geweihten neuen Kathedrale. Es gilt als Zeichen der Versöhnung und des Friedens.

Aus den Überresten der Zerstörung wurde so ein Symbol geschaffen, das den Geist der Vergebung und des Neuanfangs zum Ausdruck bringt.

Im Dienst für Frieden, Versöhnung und Völkerverständigung traten viele deutsche Gemeinden der Nagelkreuzbewegung bei und erhielten das Nagelkreuz von Coventry. So gehören u.a. die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche in Berlin, die Dresdener Frauenkirche, die St. Katharinen-Kirche in Hamburg sowie die evangelische Andreaskirche in Münster-Coerde der Nagelkreuzbewegung an.

Das Nagelkreuz in unserer Gemeinde

In Münster hat die Versöhnungskirche am Friesenring im Jahr 1963 das Nagelkreuz verliehen bekommen. Als die Kirche aus strukturellen Gründen geschlossen wurde, suchten die Gemeindeglieder aus dem Versöhnungsbezirk einen neuen Standort für das symbolträchtige Kreuz. Die gemeindliche Arbeit in einem multiethnisch geprägten Stadtteil war Grund, die Andreaskirche in Münster-Coerde als neuen würdigen Standort für das ausdrucksstarke Symbol für den christlichen Dienst für Frieden, Versöhnung und Völkerverständigung vorzuschlagen.

 

Seit dem Buß-und Bettag am 21. November 2007 steht das 60 Zentimeter hohe Nagelkreuz auf dem Altar der Andreaskirche.

Nagelkreuzgottesdienste

Der Gottesdienst mit dem Versöhnungsgebet findet am dritten Sonntag im Monat statt.

Das Versöhnungsgebet (Vater vergib)

 

Das Versöhnungsgebet wurde 1959 formuliert und wird seitdem in Conventry gebetet: Zum Beispiel freitags um 12 Uhr unter freiem Himmel im Chorraum der dortigen Kathedralruine, und in vielen Nagelkreuzzentren der Welt.

 

Alle haben gesündigt und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten. (Römer 3, 23)

Den Hass, der Nation von Nation trennt, Volk von Volk, Klasse von Klasse,

Vater, vergib.

Das Streben der Menschen und Völker zu besitzen, was nicht ihr Eigen ist,

Vater, vergib.

Die Besitzgier, die die Arbeit der Menschen ausnutzt und die Erde verwüstet,

Vater, vergib.

Unseren Neid auf das Wohlergehen und Glück der Anderen,

Vater, vergib.

Unsere mangelnde Teilnahme an der Not der Gefangenen, Heimatlosen und Flüchtlinge,

Vater, vergib.

Die Gier, die Frauen, Männer und Kinder entwürdigt und an Leib und Seele missbraucht,

Vater, vergib.

Den Hochmut, der uns verleitet, auf uns selbst zu vertrauen und nicht auf Gott,

Vater, vergib.

Seid untereinander freundlich, herzlich und vergebet einer dem anderen, wie Gott euch vergeben hat in Jesus Christus. (Epheser 4, 32)